Der Motivationstrick mit dem Sackmesser

Eine gut vorbereitete Idee ist die halbe Wandermotivation der Kinder: So zog es unsere Familie vor einiger Zeit an einen Waldrand in Adelboden, an eine Ecke, wo die Sonne möglichst lange scheint. Mit im Gepäck: unsere Sackmesser.

In Felix Immlers „Taschenmesserbuch“ wählte sich jeder sein Projekt aus: Der Zwergenkönig versuchte sich an einer Gabel, die Zauberfee wünschte sich ein Holzmesser, und ich liess mich von der Konstruktion eines Löffels herausfordern. Erst sägten wir entsprechende Stockstücke zu, die wir mit Messer und Schlagstock spalteten. Dann begann das Schnitzen entlang der selber angezeichneten Linien. Doch bald wurde es uns zu kalt, und wir packten alles wieder ein. Mit dem Plan, auf der Wanderung am nächsten Tag Gabel, Messer und Löffel zu vollenden. Die Kinder waren supermotiviert.

 

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Die Säge ist neben der Klinge wohl das wichtigste Werkzeug am Sackmesser.

Kleine Anleitung: Das Spalten

Das maximal 2,5 Millimeter dicke Aststück auf eine harte Unterlage stellen, das Messer direkt im Mark ansetzen und mit einem Schlagstock vorsichtig auf den Klingenrücken hauen, bis das Messer im Stock verschwunden ist. Dann vorsichtig auf die vordere Kingenhälfte schlagen, damit der Stock nach und nach reisst. Den Vorgang beim Holzmesser wiederholen, jedoch beide Male nur bis zur Hälfte, damit Griff und Klinge entstehen.

 

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Mit einigen Tricks ganz einfach: Holz spalten fürs Messer, die Gabel oder den Löffel.

Wandern und schnitzen

Unsere Wanderung führte uns mit der Seilbahn auf die Tschentenalp. Der Abstieg zur Schermtanne führt über eine Flanke, die auch im Spätherbst schön an der Sonne liegt. Da zu Beginn kein Holz verfügbar ist, waren wir froh über die begonnenen Holzwerke vom Vortag. Immer wieder schalteten wir eine Pause ein, damit die kleinen Schnitzer auch wirklich Vorwärtskamen. Und es funktionierte: Am Abend hatten wir unsere kleinen Projekte vollbracht – jedenfalls fast: Während die Zauberfee schon unbedarft mit ihrem Holzmesser herumfuchtelte, präsentierte der Zwergenkönig seine Sammlung von Gabeln. Nur ich brauchte noch den Feierabend, um meinen Löffel zu vollenden.

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Wer schnitzt, der sitzt – oder eben auch nicht. Der Zwergenkönig ignoriert die Schnitzregeln.

Kleine Anleitung: Die Gabel

Für die Gabel schnitzt man am einen Ende einer Haselrute zwei Flächen, damit sie aussieht wie ein Schraubenzieher. Mit der Ahle bohrt man circa vier Zentimeter vom Ende ein Loch. Nun legt man den Stock mit der Fläche auf einen harten Untergrund, legt die Messerklinge vom Loch schräg zum äusseren Ende des Stocks und schlägt nun vorsichtig mit einem Ast auf die Klinge, dass eine spitze Gabelzinke entsteht. Dies wiederholt man für die zweite Zinke. Die Feinarbeit und das Verzieren geschieht danach mit dem Messer.

 

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Unterwegs von der Tschentenalp zur Schermtanne entstanden unsere Schnitzkunstwerke.

Die Schnitzregeln:

  • immer mit scharfer Klinge schnitzen
  • Wer schnitzt, der sitzt
  • Genügend Abstand zu den Anderen
  • Messer immer vom Körper wegführen
  • Immer nur ein Werkzeug aufklappen
  • Messer immer zuklappen, wenn man es nicht braucht
  • Keine Bäume und Pflanzen sägen oder ritzen
  • Das Messer ist ein Werkzeug und keine Waffe

(Aus: Taschenmesserbuch von Felix Immler)