Kopf oder Zahl – rechts oder links? Per Zufall durchs Quartier wandern

Es war Abend, dunkelte schon ein. Eigentlich wollte niemand mehr raus, und doch wussten wir Eltern, dass es ratsam ist, die Kinder zu durchlüften und damit „bettreif“ zu machen. Also gaben wir uns einen Ruck, zogen uns an. „Papa hat sicher wieder eine tolle Idee“, gab der Zwergenkönig seinen Anspruch auf Unterhaltung lauthals bekannt. Der Wanderpapa war gefordert. Nur was tun, abends und im Winter im Quartier, auf Asphalt, ohne Schnee?

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Der Schnee fehlt noch im Unterland, fürs Wandern mit Kindern sind Ideen gefragt.

Wir spazierten los, die Kinder fuhren voraus auf ihren Trottinets und dem Laufrad (doch, das lasse ich ausnahmsweise als Wandern gelten). Schliesslich kam der Zwergenkönig selber auf die Idee, die aus diesem Abend etwas Spezielles machen würde. Wir sollten an jeder Kreuzung eine Münze werfen. Kopf bedeutete rechts, Zahl links, dann wieder umgekehrt – die Münze fiel und wies uns den Weg. Und dieser ging erst mal aufwärts – und bewies uns, dass die Idee funktionierte. Kein Maulen über den strengen Aufstieg, kein „Ich-will-nach-Hause“. Die Münze trieb uns erst mal im Kreis und damit wieder hinunter in Heimnähe. Der Kleinste gab auf, verständlich, mit seinen kurzen Beinen. Und Mama war wohl auch froh, zusammen mit ihm wieder in die warme Stube zurückzukehren.

 

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Die Münze liegt im Graben, zeigt Kopf – es geht also nach rechts. Oder doch nach links? Alles Verhandlungssache.

Die Münze macht nicht, was wir wollen

Doch der Zwergenkönig und die Zauberfee wollten jetzt erst recht ihr Glück herausfordern. Abzweigung nach Abzweigung warfen wir die Münze, bauten das Spiel gar aus, um das Geldstück noch mehr entscheiden zu lassen. Bei einer Kreuzung ging es also beim ersten Wurf darum, ob wir abbiegen oder auf dem eingeschlagenen Weg bleiben sollen. Hiess es abbiegen, bestimmten wir mit dem zweiten Wurf die Richtung.

Bald einmal bedauerte die eine oder der andere eine Entscheidung der Münze. Auf einer bestimmten Kreuzung führten einen Rückkommensantrag ein – wir durften also noch ein zweites Mal würfeln, wenn wir unzufrieden waren. Zeigte der erneute Wurf dieselbe Münzenseite an, galt der Entscheid aber unumstösslich – so viel Konsequenz musste sein. Wir konnten dann ja immer noch an der nächsten Kreuzung darum spielen, ob wir abbiegen oder zurückkehren wollten, um an der vorderen Kreuzung eine dritte und vierte Chance zu ergattern…

 

Nach Hause – aber nicht so bald

Die Zeit verging jedenfalls im Nu, die Kilometer purzelten – und ich genoss den Nachtspaziergang mit all den Lichtern und der Aussicht auf den Berner Hausberg Gurten. Und natürlich die beiden begeisterten Kinder, denen jedes Nörgeln fremd war, die noch Tage danach davon sprachen und das Spiel wiederholen wollten. Bald wurde es später und ich stellte die Bedingung, dass beide Seiten der Münze einen Weg in Richtung nach Hause weisen müssen. Schliesslich hatten wir ja „nur kurz mal raus“ gewollt.

Ein kleiner Rat für die, welche diese Münzenwerfwanderung auch machen wollen: Die Einschränkung, um den Weg Richtung nach Hause zu spielen, nicht zu spät einführen – man ist auch danach noch lange nicht zuhause. Denn „Richtung nach Hause“ schliesst ja rechts und links nicht aus, oder?

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Auf nach Hause. Doch der direkte Weg ist nicht möglich. Glücklich, wer noch nicht friert.