Einsatz als Hüttengehilfin

Studentenjobs gibt es viele: Flyer verteilen, Plätze anweisen, Pakete ausliefern zum Beispiel. Oder als Hüttengehilfe in den Bergen guten Dienst leisten. So wie ich es vor 18 Jahren tat. Zwar nicht in einer SAC-Hütte, aber in einem vergleichbaren Betrieb: dem Berghotel Faulhorn. Ein Blick hinter die Kulissen.

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Im Schnee und mit 20kg am Rücken zum Stellenantritt

«Zum Arbeitsort pendeln» ist beim Berghotel Faulhorn wörtlich zu verstehen, denn erreichbar ist es nur per Gondel und zu Fuss. Das hat zur Folge, dass das Personal dem Betrieb präsenzmässig sehr verbunden ist, denn während der Zimmerstunde kurz auf einen Kaffee ins Gletscherdorf Grindelwald zu gehen, lohnt sich definitiv nicht. Dafür sind das 360° Gipfelpanorama sowie die Sonnenauf- und –untergänge erstklassig. Wer – wie ich – dazu noch ein Faible für historische Bausubstanz hat, ist hier im ältesten Berghotel Europas (Baujahr 1830) gerade richtig.

Room Service auf 2681 m.ü.m.

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Das geschichtsträchtige Faulhorn und ein Teil seiner Belegschaft

Für die Dauer eines Monats ist das Faulhorn mein Arbeits- und Wohnort. Das kleine Zimmer teile ich mit einer Kanadierin, welche die ganze Sommersaison macht. Mein Bett steht an der ringhörigen Wand angrenzend an ein Gästezimmer, was mir manch amüsante Unterhaltung der Gäste über den Zimmerkomfort und andere Formen der Zweisamkeit zu Ohren bringt… Apropos Zimmerkomfort: die sechs Doppel- und das Dreierzimmer sind im ursprünglichen Zustand belassen. Will heissen: Biedermeierbetten, antike Waschschüsseln und –krüge. Das macht die Arbeit für uns Zimmermädchen nicht unbedingt angenehmer. In den zwei Massenlagern hingegen herrscht am Morgen jeweils das Deckenchaos. Wie viel Arbeit würde dem Personal erspart bleiben, täte jeder Gast die benutzten Wolldecken wieder nach Plan zusammenlegen!

Eine Küche wie im Ballenberg

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In der rudimentären Küche wird Käse fürs Zmorge geschnitten

Nach dem Zimmerservice ist vor dem Küchendienst. Auf dem Weg ins Untergeschoss riecht man bereits das Gas des Kochherds, wo tagtäglich unzählige Röstis und Omeletten zubereitet werden. Von einer effizienten Abwaschmaschine können wir nur träumen. Unser Modell ist ca. 0.14 PS stark, made in Switzerland und heisst Evelyne. Das benötigte Heisswasser muss zuvor im uralten Holzofen erwärmt werden. Das bedeutet, rechtzeitig ein Scheit nachlegen und stets extrem aufpassen, dass die Kesseltemperatur den Grenzwert zur Katastrophe nicht übersteigt. Die Berge an Dreckgeschirr sind derweil noch höher als die Berner Alpen, die man durch die Küchenfenster direkt vor Augen hat. Aber irgendwie und erstaunlich schnell wird es jeweils Abend. Nach solch anstrengenden Tagen schläft es sich dann immer besonders tief.

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Sonnenaufgang einmal anders

Technik und andere Herausforderungen

Einmal aus dem Bett gekrochen, wird man meist schnell wach, den die Raumtemperatur ist am frühen Morgen weit weg von den landläufig empfohlenen 21°C Wohlfühlgraden. Geheizt wird mit Holz und erst wenn es unzumutbar frisch wird. Das schummrige, aber gemütliche Licht brennt nur dank Solarzellen. Die Wasserversorgung erfolgt via Kleinstgletscher, von wo das kostbare Gut mechanisch über einen hydraulischen «Widder» 80 Höhenmeter zum Hotel hochgepumpt wird. Das geht freilich nicht bei Minusgraden. Und im Jahr 2018 leider gar nicht mehr.

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Warentransport auf dem Luftweg

Sämtliche Warentransporte passieren 2x wöchentlich per Heli, der im Gegenzug den Kehricht und die benutzte Wäsche abführt. Die frischen Lebensmittel einschliesslich Brot buckeln wir in den Naturkeller, Konserven etc. in den Vorratsraum. Einen technischen Kühlraum oder etwa Tiefkühler sucht man vergebens. Unter all diesen Aspekten leuchtet es ein, dass die Speisekarte nicht so vielseitig sein kann wie unten im Tal. Wer einmal einen Blick in die Miniaturküche geworfen hat, wird zudem verstehen, dass man in Spitzenzeiten schon mal ¾ Stunden auf seinen warmen Geisskäse mit Salatgarnitur warten muss. Denkt doch daran, wenn ihr das nächste Mal auf der Sonnenterrasse eines alpinen Gastrobetriebs sitzt und nervös auf die Tischplatte trommelt.

Überhaupt kann ich einen Einsatz als Hüttengehilfen nur empfehlen. Es ist eine Erfahrung fürs Leben und erweitert den Horizont. Fleissige Helfer werden immer gesucht.

www.faulhorn.ch
www.schweizer-huetten.ch