Ob echte Wanderkleider doch besser gewesen wären?

Sonntagmorgen. Katerfrühstück im Hotel. Die Nacht war lang und feuchtfröhlich, der Schlaf kam eindeutig zu kurz. Bei der Idee vom Vorabend aber bleiben wir: Heute wandern wir auf den Grossen Mythen. Das Problem nur: Die Ausrüstung dazu fehlt grösstenteils. Schliesslich ist auch der Wanderpapa nicht immer nur fürs Wandern unterwegs. Aber eben, sein lassen kann ich es dann auch wieder nicht.

Wir starten, wandern durch den Wald, Nebelschwaden ziehen durch die Stämme. Es ist frisch, der Anstieg ist nicht streng, die Baumwolle tut ihren Dienst und wärmt den Körper. Das stimmt mich zuversichtlich und es geht mir durch den Kopf, ob das ganze Tamtam um Wanderausrüstung nur heisse Luft sein könnte. Doch ich ahne es, die heisse Luft – oder besser die heisse Sonne – wird noch kommen. Bald schon scheint sie, wirft ihre Strahlen durch die Stämme. Taucht den Wald in eine wunderschöne Stimmung.

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Im Wald unterhalb der Holzegg sorgt die Sonne für Stimmung.

Bald zeigt sich zwischen den Schwaden auch das Tagesziel ganz oben auf dem Bergspitz. Das Restaurant auf dem Mythen. Von hier aus scheint es, als wäre es nicht ganz oben, als wäre der rote Fels rechts davon noch viel höher. Immer sonniger wird es, und schon in den ersten Kehren des Serpentinenwegs kremple ich meine Hosenbeine hoch und die Socken runter. Und weiss, dass das nicht reichen wird.

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Ja, ja, die Baumwollkleider. Ich konzentriere mich lieber auf die Aussicht.

Kehre um Kehre um Kehre

Irgendein Mythenfan hat hier die Kehren gezählt und jede davon mit einer Nummer versehen. Es sind deren 47, und der Aufsteigende weiss also immer, was noch auf ihn wartet, muss also die Heruntersteigenden nicht fragen, wie lange es noch geht – und fühlt sich demnach auch nicht veräppelt, wenn alle immer nur antworten, es dauere „nur noch eine halbe Stunde“. Gut so. Ich nehme mir vor, mir die Kehre zu merken, ab welcher ich in meiner Baumwolle so richtig zu schwitzen beginne.

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Wenigstens die Schuhe sind bergtauglich – zum Glück!

Der Weg ist anfangs schmutzig und rutschig, später wird er immer steiniger. Ich bin froh, dass ich wenigstens feste und bergtaugliche Schuhe trage, sonst wäre dieser Aufstieg hier nicht lustig. Wir sind ja nicht ganz alleine auf diesem Weg: Über 40’000 Besucher pro Jahr unterstreichen die Beliebtheit dieses Bergs. Da treffen wir auch Leute an, die kaum geeignetes Schuhwerk tragen. Ich beneide sie nicht. Ich wäre gar dankbar um hohe Schuhe, denn in Kehre Nummer 23 spüre ich plötzlich ein Steinchen im Schuh. Ich entferne es natürlich umgehend.

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Fürs Protokoll: Kehre 23, Steinchen im Schuh.

Und plötzlich bin ich verschwitzt

Es geht Kehre um Kehre hinauf, die Sonne brennt, unsere Gespräche verstummen, wenigstens verabschiedet sich der Kater langsam. Das Steinbänkli bei Kehre 29 ist schon besetzt, wir wandern also ohne Pause weiter. Plötzlich stelle ich fest, dass ich schon lange schwitze. Ich kann nicht mehr eruieren, in welcher Kehre es begonnen hat. 15, 21 oder erst bei 29? Egal, Fakt ist, dass es sich nicht gut anfühlt. Das T-Shirt heizt, es ist schon feucht. Und wird es noch lange bleiben. Ich konzentriere mich wieder auf den Weg und die Aussicht – es lohnt sich wahrlich nicht, sich auf Baumwolle zu konzentrieren.

 

Zum Glück habe ich Sonnencrème eingestrichen und vom Wanderkumpan einen Hut ausgeliehen, denke ich, als wir nach anderthalb Stunden den Gipfel erreichen. Wir gönnen unseren Körpern Wasser, geniessen die Aussicht. Ich checke meine Füsse: Von Blasen bin ich trotz Sportsocken verschont geblieben. Und auch sonst fühle ich mich zwar verschwitzt und aufgewärmt, aber nicht unwohl.

Beim Abstieg – natürlich ohne Wanderstöcke – ziehe ich Bilanz: Es geht auch mit Baumwolle. Funktionskleider und Wanderausrüstung sind aber deutlich angenehmer und erleichtern das Gehen. Und gute Schuhe sind unabdingbar.

 

 

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