Kräuterwanderung mit Abschlusskracher

Vor zwei Wochen hatte ich das Vergügen, an einer geführten Wanderung teilzunehmen, welche sich verheissungsvoll „Die Landschaft verspeisen“ nannte. Da ich gerne etwas Neues probiere und zwar im wortwörtlichen sowie im kulinarischen Sinne, war ich Feuer und Flamme, als es hiess, wir würden dort lernen, welche Pflanzen am Wegesrand man verspeisen kann und welche nicht.

Da es heiss gemeldet war und die Wanderung im Aargau und nicht in kühlen Höhen stattfand, liess ich den Alpinchihuahua diesmal zu Hause. Wenn es mehr als 25 Grad sind, gehen wir lieber in die Berge, denn ihm macht die Hitze zu schaffen und uns beiden macht es keinen Spass.

Geschichtsträchtiger Startpunkt

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Die uralte Linner Linde hat wohl schon so manches miterlebt.

Wir trafen uns also nachmittags im Schatten der mächtigen Linner Linde (vielleicht dem einzigen Baum in der Schweiz mit eigener Facebook-Seite – sie hat es sich mit ihren 800 Jahren schon verdient) und erfuhren von Naturärztin Sonja Wunderlin zuerst so einiges über die Linde, ihre Lindenblüten und deren schmerzlindernden Eigenschaften, den Lindwurm und wie lind die Blätterfarbe dieser Linde ist. Sonjas Vortrag, mit Wortspielen gespickt, fand ich ziemlich klasse!

Was es am Rande des Weges alles gibt…

Die Wanderung war sehr kurzweilig, da die Landschaft sehr lieblich und die essbaren Pflanzen mannigfaltig vorhanden waren. Ich hätte mir aber so gewünscht, dass @naturwanderin und @wanderconcierge dabei gewesen wären. Ich denke, es hätte beiden sehr gefallen. Die Wandergruppe war durchmischt (Frauenanteil ca. 86%, Lehrpersonenanteil ca. 35%) und sehr wissbegierig. Gut, dass Sonja ein wandelndes Pflanzenlexikon und Rezeptbuch ist, aber nicht nur über Pflanzen und Tiere, sondern auch über Sagen und Legenden gut Bescheid weiss. Mich beeindruckte sehr, dass sie auf wirklich alle Fragen eine Antwort wusste. So hielten wir alle paar Meter an und sie erzählte und wir fragten.

Hier ein paar Facts, die ich an jenem Nachmittag mitgenommen habe:

  • Früher hatte jeder Hof einen Holunderbusch und zwar zur Abwehr der bösen Geister (= Krankheitskeime).
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Auf vielen Höfen findet man auch heute noch in Holunderbüsche. Der Volksglaube besagt, dass er auch vor Blitzeinschlägen schützt.

  • Wiesen-Flockenblumen kann man gleich, sozusagen ab Boden, essen. Aber vielleicht nimmt man sie lieber nach Hause und benutzt sie als Dekoration, zum
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    Vom Klee ist alles essbar, auch im Salat. Er ist speziell auch für Frauen in den Wechseljahren geeignet, da er eine östrogenartige Wirkung hat.

    Beispiel für Safranreis.

  • Was ist wegen dem Fuchsbandwurm zu beachten? Man sollte sicher nichts vom Wegrand nehmen und auch nicht auf Tierwegen im Wald sammeln. Tierwege erkennt man, wo das Gras heruntergedrückt ist. Sonja meinte, man solle halt gesunden Menschenverstand walten lassen, da so ein Fuchs ja auch auf Felder pinkelt, wo zum Beispiel Salat gepflanzt wird, den wir ja auch nicht abkochen.
  • So macht man eine Tinktur: Die Pflanze klein schneiden, in ein Schraubglas stopfen und mit Alkohol übergiessen. Einen Monat in der Sonne stehen lassen, dann mit einem Tuch abseihen und abermals reifen lassen.
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Naturärztin Sonja Wunderlin hat wilde Rosen gefunden.

  • Alle ungespritzten Rosen sind essbar. Man kann daraus Rosensirup machen oder einen Salat oder Drink mit den Blättern verschönern.
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Riecht gut, schmeckt gut und sieht gut aus.

  • Sirup kann man grundsätzlich aus allen essbaren Pflanzen machen.
  • Um Teep (Teepulver) herzustellen, mörsert man frische Pflanzenteile mit Zucker oder Salz und trocknet sie an der Luft. Damit kann man jedes Essen würzen – Vorspeise, Hauptgang oder Dessert.
  • Der Unterschied zwischen Teep und Kräutersalz ist, dass man fürs Kräutersalz die Pflanze zuerst trocknet, fürs Teep ist sie noch frisch.

 

Bunte Blüten erfreuen Auge und Gaumen

Während der Pause servierte uns Sonja selbst gemachtes Brot mit selbst gemachter Blütenbutter, dazu natürlich einen selbst gesammelten Kräutertee.

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Sehr hübsch anzusehen, aber noch besser zu essen!

  • Frische Brennesseln kann man schneiden und kneten (mit Handschuhen!), damit sie nicht brennen. Oder man frittiert sie und isst sie knusprig.

Beim Weitergehen fragte ich Sonja, warum Brennesseln nicht brennen, wenn man die Luft anhält. Sie meinte, das sei ein Ammenmärchen. Leider (oder zum Glück?) konnte ich ihr nicht beweisen, dass es funktioniert, da wir danach partout keine Brennesseln mehr fanden… (challenge accepted)

  • An alle Biertrinker: Hopfen macht selig und das Blütenharz der Hopfenzapfen macht ruhig. Er befreit den Geist, wenn man unter Schlafstörungen leidet.
  • Sonjas Motivation, solche Wanderungen anzubieten und mit ihrer Pflanzenkenntnis den Menschen zu helfen, ist die Auseinandersetzung mit den Pflanzen, welche man eigentlich vor der Haustüre findet.
  • Wolfsmilch stinkt und ist giftig.

Auf dem Rückweg zogen dunkelgraue Wolken auf und die Luft wurde heiss-feucht und sehr drückend. „Jetzt ein richtiges Gewitter – das wärs!“, sagte ich zu einem Teilnehmer. Er erwiderte, dass er lieber ein kühles Bier hätte.

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Ziemlich ominös…

Als die Rundwanderung dann wieder bei der Linner Linde zu Ende ging,  setzten sich die neuen Wildkräuterkundigen in ihre Autos und wir vier restlichen warteten noch auf den Bus. Innerhalb von Sekunden verfärbte sich der Himmel grauschwarz und es hagelte kirschengrosse Körner vom Himmel. Die Wolken schienen erleichtert, sich endlich entladen zu können und taten dies mit all ihrer Kraft.

Mein Gewitter hatte ich bekommen. Ob der Kräuterkollege sein Bier auch erhalten hat?