Wandernacht: Gletschereis und Lötschentaler Heusuppe

Wie schmeckt eigentlich Heusuppe? Und was ist unter „dräckigi Wirtschaft“ zu verstehen? Antwort auf diese Fragen erhielt ich letzten Samstag anlässlich der 13. Schweizer Wandernacht. Ein Projekt, das ich als Mitarbeiterin der Schweizer Wanderwege betreue. Schon seit Wochen freute ich mich auf die Wanderung bei Mondschein. An über 60 verschiedenen Orten standen geführte Nachtwanderungen auf dem Programm. Ich entschied mich für die Rundwanderung in das Gletschervorfeld des Langgletschers im Lötschental.

Treffpunkt der Wanderung war beim Camping Fafleralp, wo ich mich bereits am Nachmittag mit dem Bössli auf der naturbelassenen Wiese installierte und den alpinen Charme des Campingplatzes genoss.

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Idyllische Naturkulisse auf der Fafleralp. Sogar die Rehe springen auf der gegenüberliegenden Wiese des Bachs umher…

 

 

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Die Sonne geht langsam unter und die Wandernacht bricht an.

Um 20 Uhr zieht unser zehnköpfiges Grüppli mit Wanderleiter Kari Henzen von der Fafleralp los. Durch einen Lärchenwald steigen wir in Richtung Guggisee auf. Unterwegs durch die artenreiche Vegetation sehen wir nicht nur Alpenrosen und Heidelbeersträuche, sondern treffen auch auf zahlreiche entwurzelte Bäume, die von Lawinen mitgerissen wurden.

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Der Blick zum Langgletscher eröffnet sich vor uns. Bei einer ersten Pause erzählt Kari mehr über den Gletscher und sein Verschwinden: „Seit Ende der kleinen Eiszeit um 1850 ist der Gletscher um etwa zwei Kilometer zurückgegangen. Laut Klimaforschern könnte es ihn bis Ende dieses Jahrhunderts nicht mehr geben.“ Staunend schauen wir auf die waagrechte Kante der Moräne auf der gegenüberliegenden Talseite, welche die einstige maximale Ausdehnung des Gletschers markiert. Von einem Standort weiter vorne in Richtung Anenhütte lassen sich die Moränenwälle und verschiedenen Rückzugsstadien nachvollziehen.

Mit der Vergänglichkeit im Hinterkopf spüren wir die Präsenz des Gletschers plötzlich immer deutlicher – je mehr wir uns ihm nähern, je kälter scheint es uns. Ein kurzer Halt bei der „dräckige Wirtschaft“ soll uns wieder etwas aufwärmen. Denn so nennen die Einheimischen das versteckte Absinth-Depot. Ein Blick auf die deponierten Gläser erklärt den Namen des Verstecks. Doch Kari ist Nachsichtig mit uns und holt saubere Becher aus seinem Rucksack – so schmeckts uns auch gleich viel besser.

Prosit!

Gewusst wo… die „dräckigi Wirtschaft“ ist nicht leicht zu finden…

Weiter geht es zum Anenbach. Die Nacht bricht langsam ein und der Mond steht über uns. Zeit für eine Lötschentaler Sage. Kari erzählt uns die Geschichte des Spielmanns, dessen wunderbares Geigenspiel man noch heute in der Nähe des Anenbachs hören soll.

Die Sage des Spielmann

Wir steigen weiter hinab und überqueren die rauschende Lonza. Auf einem ruhigen Plätzchen in Richtung Grundsee halten wir an und machen die Stirnlampen aus, um diese mystische Mondlicht-Stimmung und die Kraft der Berge aufzunehmen. Und irgendwie könnten wir alle noch stundenlang an dieser Stelle weilen. Doch weiter unten am Lagerfeuer beim Grundsee wartet bereits eine wärmende Lötschentaler Heusuppe und ein Gläschen Rotwein auf uns.

Leckere Heusuppe

Die Lötschentaler Heusuppe brodelt über dem Feuer am Grundsee

Die cremige Heusuppe schmeckt übrigens hervorragend – erinnert mich irgendwie an Bärlauch. Am besten, ihr probiert sie mal selber – kann ich wirklich empfehlen.
Gestärkt geniessen wir noch etwas das wärmende Lagerfeuer, bevor wir uns wieder zurück zur Fafleralp machen.

Wer ebenfalls mit Kari das Gletschervorfeld bei Nacht erleben will, hat dazu am 27. Juli 2018 nochmals die Gelegenheit. Weitere Infos findet ihr auf der Seite von Lötschental Marketing.

Auch Wanderpapa Rémy war an der Wandernacht in Nendaz unterwegs – warum er plötzlich zum Simultandolmetscher wurde und am nächsten Tag mit einem Wanderkater zu kämpfen hatte, verrät er in seinem Blogpost.

Übrigens: Wer sich schon jetzt auf die nächste Schweizer Wandernacht freut, kann sich den 13. Juli 2019 vormerken.