Sandige Klettermonumente aus dem Emmental

Unterdessen hab ich unsere Entdeckung südlich von Krauchthal schon verschiedentlich weiterempfohlen. Und immer noch bin ich vom Fluhbabi und vom Elefant begeistert: Es sind zwei riesige Sandsteinformationen, die im Wald und etwas abseits vom Weg versteckt sind. Nur 20 Minuten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Bern entfernt.

Vor einiger Zeit wanderte ich zusammen mit dem elfjährigen Zwergenkönig im Emmental, es war ein sonniger Tag und wir hatten eben das Fluhbabi entdeckt. Es ist ein etwa sechs Meter hoher Pfeiler aus Sandstein, der elegant geschwungen in die Höhe strebt. Er steht auf einem runden Sockel, und an diesem balancierte der Sohnemann gedankenverloren entlang. Unter ihm ging es mehrere Meter hinab ins Dickicht, wie weit war unklar, da das Monument auf einem Felssporn steht. Bei jedem Schritt rieben die Wanderschuhe am sandigen Stein, fanden meist sofort Halt, manchmal rutschte der Fuss noch zehn Zentimeter hinunter. Das störte den Jungen nicht, konzentriert und neugierig kletterte er weiter. Ob er wusste, dass ich ihn beobachte? Und wie es mir die Pobacken zusammenzog, je steiler die Wand wurde, in der er kletterte?

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Das Fluebabi, der erste Höhepunkt der Wanderung.

Dasselbe wiederholte sich einige Stunden später beim Elefanten, einem weiten Bogen, der von der Seite her gesehen eben aussieht wie ein Elefant und in der Gegend unter diesem Namen bekannt ist. Auch da ging es steil bergab, und ebenso begann der mein Sohn zu klettern – ohne Schrammen käme er bei einem Sturz wohl nicht davon, ging mir durch den Kopf.

Durchatmen, an etwas anderes denken

Doch ich versuchte, die Bedenken abzulegen und lenkte mich ab, indem ich mir überlegte, wie die Sandsteinformationen entstanden sein könnten. Das ist nämlich nicht geklärt. Ein tschechisches Forscherteam hat untersucht, wie solche Figuren – wie es sie übrigens auch in Tschechien gibt- entstehen können. Die Forscher sprechen von Spannungsverhältnissen im Fels. Gibt es diese, trotzen die Felspartien der Erosion durch Wind, Wasser, Frost und Salzen länger als das umliegende Gestein. Auch Risse und die Sonneneinstrahlung beeinflussen den Fels. Es entstehen Säulen und Bögen.

Gänzlich anderer Meinung ist der Freiburger Burgenforscher und Historiker Chrisoph Pfister. Für ihn ist der Geristein, wo es ebenso die Ruine einer Wehranlage zu entdecken gibt, auch ein religiös geweihter Ort, wie er auf seiner Website http://www.dillum.ch schreibt. Der Elefant sei im altchristlichen Glauben ein bedeutendes Sinnbild gewiesen, ein Symbol der Taufe. Und im Fluhbabi erkennt er eine Priesterin. Er schliesst aus, dass die Sandsteinformationen natürlichen Urspungs sein könnten: Eher hätten gelangweilte Steinmetze während des Baus der Burg aus Spass den Felssporn bearbeitet.

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Ein weiterer Höhepunkt: Die Fluehüsli sind Häuser, die in den Fels hineingebaut worden sind.

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Beim Elefanten steht auch die Ruine Geristein.

Ein Turm in der Mitte

Wie dem auch sei. Sowohl der Elefant von Geristein als auch das Fluhbabi sind formidable Wanderziele. Dazwischen liegen noch weitere: Die Fluehüsli sind zwei Häuser, die direkt in den Fels eingebaut worden und immer noch bewohnt sind. Und in der Mitte der Wanderung trifft man auf den Bantigerturm. Auf der fast 34 Meter hohen Plattform lässt sich die Aussicht auf Bern und die Berner Alpen geniessen.

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Der Bantiger verspricht eine tolle Aussicht auf Bern.

 

Die Wanderung führt von Krauchthal südwärts Richtung Fluehüsli, wo das Fluebabi (Koordinaten 2 608 550 / 1 205 405). hinter einer Krete steht. Dann weiter dem Hügelzug entlang zum Bantiger, und wieder nordwärts zur Ruine Geristein. Hier findet man den Elefanten auf einem Felssporn (2 606 350 / 1 204 340). Bei Krauchthal den Weg über Thorberg wählen; zwischen Hübeli und Lindenfeld hat der Sturm Burglinde im letzten Frühling den Wanderweg zerstört.

Auf www.wandern.ch ist der Wandervorschlag unter der Nummer 1425 zu finden.