Im Tal der Hirsche

Es hat eigentlich wenig mit Wandern zu tun, aber dennoch ist es ein ganz spezielles Erlebnis – die Hirschbrunft im Justistal bei Sigriswil (BE). Bis zum jetzigen Herbst waren die Hirsche in diesem Tal gut behütet. Vor kurzem wurde das dortige Jagdbanngebiet aber verkleinert. Unvorbereitet hat’s an den ersten zwei Jagdtagen wohl gleich 20 Stück Rotwild erwischt …

Allerdings ist die Regulierung der Wilddichte ein wichtiges Element zum Erhalt des Lebensraums und für uns „schaulustige Wanderer“ gibt’s immer noch genug zu sehen.

Vor lauter Staunen und dem abwechselnden Zücken von Fernglas und Kamera kommen wir wieder mal kaum voran. Einmal entdeckt, können wir uns vom Anblick der stolzen und prächtigen Tiere nicht mehr losreissen.

Rührend war die Begegnung zwischen einer Hirschkuh und einer Gämse. Ganz langsam haben sich die beiden einander angenähert, sich kurz beschnuppert und sind dann wieder jeder seines Weges gegangen. Die Hirschdame war aber ein wenig getrieben von einem Hirsch, der ihr röhrend nachgestiegen ist.

_DSC2048_1

Neben dem Blick in die Ferne rentiert es sich auch mal die direkte Umgebung genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Moospolster neben mir auf einem Stein wirken beim näheren Hinsehen wie tausend kleine Sterne. Tatsächlich sind auch Tierchen unterwegs, die mir komplett unbekannt sind. Wie sich am Ende herausstellt, habe ich keine neue Art entdeckt, sondern bin über einen Saftkugler (… der heisst wirklich so!) gestolpert.

Spannend zu sehen, dass die dort vorkommenden Tiere und Pflanzen tatsächlich auch zur Geologie des Gebietes passen. Das Dach-Drehzahnmoos siedelt sich lediglich auf kalkhaltigem Untergrund an und auch der Saftkugler bevorzugt Kalkfelsen.

Geologisches Blockbild_Beck-Gigon-Scherer-Ziegler-Colombi-Breitschmid

Geologie Justistal und Umgebung (Quelle: Andreas Zurbuchen, 2006)

Sobald aber die Hirsche wieder energischer zu röhren beginnen, gebührt erneut ihnen meine ganze Aufmerksamkeit. Sie präsentieren sich in voller Pracht und buhlen lautstark um die Gunst der Damen. Dabei ist es nicht ausgeschlossen, dass sie sich bei Rangkämpfen schwer verletzen. Zum Glück kommt es an diesem Abend nicht dazu (… zumindest nicht in meinem Blickfeld).

Auch nach Einbruch der Dunkelheit hört man die Hirsche noch kilometerweit rufen. Der Wind steht gut, die Nacht wird kalt und klar.

_DSC2090_2

Glück und Zufriedenheit sind manchmal ganz einfach zu erreichen !!!