Erkundungen am Vorabend der Wanderung im Maggiatal

Ich liebe es, am Vortag einer Wanderung bereits anzureisen und spontan eine kleine Erkundungstour zu machen. Das entspannt und stimmt mich ein auf die geplante Wanderung. Letzte Woche war ich im Maggiatal, vor einem Jahr im Puschlav. Es sind beides kurze Wanderungen, aber doch etwas fordernd und mit vielen kleinen Höhepunkten, die nur darauf warten, dass man sie erkennt.

In den Tessiner Tälern geht es ja kaum einmal nur leicht aufwärts. So auch auf der Wanderung von Maggia aus. Hinter der Casa Martinelli, wo ich übernachtete, begann ein kurzer Weg zu einem Wasserfall. Fünf Minuten entfernt nur, die Chefin des kleinen Hotels sprach von einem „kleinen Kraftort“. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen und ich kippte meine guten Vorsätze, vor dem Znacht noch Pendenzen aus dem Büro auf dem Tablet zu erledigen (was auf dem stilvoll eingerichteten Innenhof ja auch nicht allzu schlimm gewesen wäre).

Kleines Regenbogenwunder

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Die Abendsonne spielt mit den Farben.

Die Cascata del Salto war es wert. Wasser hatte sie ja nicht allzu viel, im Frühsommer geht es hier mehr ab, wie grosse, angeschwemmte Baumstämme vermuten liessen. Das Wasser fiel von hoch oben in ein tiefes Becken, kurz vor dem Aufprall schien die Sonne in das fallende Wasser und zauberte einen märchenhaften Regenbogen in die Luft.

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Dann nahm ich die gefühlten 500 Steintreppenstufen in Angriff, um ans obere Ende des Wasserfalls und damit auch zu der kleinen Kapelle della Pioda zu gelangen. Mein T-Shirt war schnell verschwitzt, die Herbstsonne intensiv. Ich wanderte vorbei an einem kleinen Birkenwald, tausend goldenen Grashalmen, an Aussichtspunkten aufs Tal, an kleinen Kappellen mit religiösen Malereien, über grosse, flache Felsblöcke, entlang Steinmauern und Rebenhängen. Immer wieder raschelte es, Eidechsen flohen vor meinem Getrampel und liessen mich aufhorchen.

Die Topfpflanze des Fegefeuers

Oben erreichte ich den Bach des Wasserfalls, eine idyllische Bogenbrücke mit einem mit Steinen gepflasterten Weg führte über die tiefe Schlucht, weit unten sammelte sich das klare Wasser in Becken. Ein steiniger Weg, gesäumt von Trockensteinmauern, führte hinauf zur Kapelle. Diese war hübsch anzusehen, doch irgendwer hatte vor der schönen Malerei eine geschmacklose Topfpflanze in einem Plastiktopf und einem weissen Unterteller hingestellt. Gleich unterhalb dem Fegefeuer, wohin die Pflanze viel besser passen würde.

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Wunderschöne Malereien in der Kapelle della Pioda (nicht auf die Topfpflanze achten ;-))

Sei’s drum. Der Ort liess mich zur Ruhe kommen, und das war schön. Oben auf einer grossen Felsplatte neben der Kapelle war ein kleiner Holzsitz angebracht, der mich zum Geniessen der Aussicht einlud. Ich folgte der Einladung und blickte auf das Maggiatal, die Sonne tauchte es immer mehr in goldenes Abendlicht. Nur das Wissen, bald in einem Tessiner Grotto zu sitzen, motivierte mich, den Abstieg ins Tal durch die herbstlichen Reben und vorbei an einem vollbeladenen Khakibaum in Angriff nehmen. Dabei traf ich noch auf dieses „Wärterhäuschen“, oder was es auch ist:

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Bittebitte den langen Stein nicht berühren…

Eine stabile Sache, solange der eine Stein hält. Was aber, wenn nicht? Ich dachte nicht weiter drüber nach und wanderte heim zu. Schliesslich wartete dort das Grotto mit einem feinen Risotto.