An der Sternmission gescheitert

Nach einem knapp überwundenen Hüftschnupfen haben Forstarbeiter unsere Mission zum Stern in letzter Minute vereitelt. Der Lichterprinz blieb aber zuversichtlich und tröstete sich damit, dass das Kasperlitheater wohl erst starte, wenn der Winter endlich da sei. 

Du hast nicht verstanden, was ich sagen will? Kein Wunder, ich war wohl etwas atemlos beim Erzählen unseres letzten Wanderabenteuers. Also, eins nach dem anderen.

Bevor ich Kinder hatte, habe ich noch nie von der Krankheit namens Hüftschnupfen gehört. Und auch die meisten in unserer Bekanntschaft runzeln erstaunt die Stirn, wenn wir davon erzählen, dass unser Kind diesen Schnupfen bereits zu dritten Mal hat. Es handelt sich dabei um eine äusserst schmerzhafte, virale Entzündung des Hüftgelenkes. Sie begann damit, dass eines Morgens unser Vierjähriger schreiend im Bett stand, sich aber nicht mehr rühren konnte. Das Geschrei endete erst wieder nach einem Arztbesuch und einer doppelten Portion Schmerzmittel, die einzunehmen er sich wacker weigerte, schliesslich sich aber mit viel gutem Zureden fügte. Fortan lag unser Sohn den ganzen Tag dort, wo er am Morgen aufgewacht war, schrie, wenn das Schmerzmittel nachliess, plauderte zufrieden, wenn er es intus hatte.

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Im Wald ist es doch schöner, meine ich, und versuche, den Lichterprinz zu überzeugen.

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Doch der Lichterprinz hat eigene Ansichten von schön.

Der Stern, meine Rettung!

Am dritten Tag begann er zu genesen, doch schon abends ging der Hüftschnupfen aufs andere Bein über. Tags darauf war Papatag, und ich unterhielt den Kleinen stundenlang, gab mein Bestes. Am Nachmittag liess der Schmerz schliesslich nach und der Lichterprinz gab freudig sein Einverständis, dass ich mit ihm im Kinderwagen in den Wald gehen sollte. Sein Ziel war denn auch rasch klar: Er wollte mir zeigen, wo das Kasperlitheater stattfand. Was mich als Papa selbstverständlich überaus interessierte.

Bis er uns direkt an die stark befahrene Hauptstrasse dirigierte und stur forderte, dieser entlang ins Quartier zurückzuwandern. Ich argumentierte, dass der Weg durch den Wald richtig sei, dass der Kasperli auch nicht gerne Verkehr habe, dass ich mich so auf den wunderschön orange leuchtenden Wald gefreut habe. Ich war kurz davor, aufzugeben, und so steuerte ich den Wagen schnurstracks zurück in den Wald. Wo wir kurz darauf auf einen Wanderwegweiser trafen. Auf einem Pfeil stand da „Stern“ – meine Rettung! Welches Kind möchte denn nicht Richtung Sterne aufbrechen? Der Lichterprinz schwenkte ein und betonte, dass dieser Weg sicher auch zum Kasperlitheater führte.

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Wieder eine Stunde mehr draussen. Sehr gut.

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Auf zum Stern – die Mission kommt an beim Lichterprinz.

Vorprogrammierte Enttäuschung

Soweit waren wir beide zufrieden. Wir trafen Jogger, Hündeler, Vitaparcoursabsolventen, Spaziergänger, Biker. Alle zog es offenbar in den Wald. Wir folgten konsequent dem Stern-Wegweiser, und mein Sohn erzählte unterdessen sogar, dass das Kasperlitheater beim Stern stattfinde. Es lief soweit alles wie am Schnürchen. Wie es wohl enden würde? Ich wusste ja, wo der Stern lag, es ist eine Waldkreuzung, die aus der Vogelperspektive wie ein Stern aussieht. Ausser Bäumen ist da nichts. War also die Enttäuschung des Lichterprinzes schon vorprogrammiert?

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So endet unsere Mission. Der Lichterprinz nimmt es gelassen.

Sie sollte nicht eintreten, wie wir zwei Kreuzungen weiter erfuhren. Da war ein Fries mit drei grossen Verbotstafeln quer über den Weg gehängt – eine für Pferde, eine für Wanderer und eine für sonst alles, was sich bewegt. Die Forstarbeiter schlugen Holz, weiter zu gehen empfahl sich in keinem Fall. Was nun? Ich überlegte auf Hochtouren, was zu tun war, weil wir jetzt das Kasperlitheater definitiv zu verpassen drohten. Der Lichterprinz rettete mich aber gleich selber: „Dann wird das Kasperlitheater wohl erst aufgeführt, wenn der Schnee kommt“, erklärte er aufgeräumt. „Jawohl, so ist es!“, pflichtete ich ihm schnell bei und schob den Wagen schnurstracks von den Verboten weg. Und stellte beruhigt fest, dass seine Energie heute krankheitshalber offenbar nicht reichte, um den gewöhnlichen Stursinn an den Tag zu legen.

Bis er mich am Abend eines anderen belehrte, als es darum ging, sein Schmerzmittelsirup einzunehmen… Aber das ist eine andere Geschichte.