Das Video vom Mann, der schon fast überall in der Schweiz war

Er wandert nach strengen Regeln und hat schon fast die ganze Schweiz gesehen. Stefan Brauchli ist der Gemeindewanderer: Jede der 2287 Schweizer Gemeinden will er bewandern. Ich hab mit ihm die 2202 Gemeinde besucht, Vérossaz oberhalb von Monthey VS.

 

Stefans Regeln sind ebenso einfach wie klar:

  • Eine Gemeinde gilt als bewandert, wenn er auf ihrem Gebiet auf Wegen unterwegs war. Es versteht sich von selbst, dass die bewanderten Stücke länger als nur 100 Meter sind.
  • Jede Gemeindewanderung muss mindestens zehn Kilometer lang sein. Die Regel verhindert, dass er Gemeinden mit dem Auto besuchen und nur kurz um die Kirche gehen kann
  • Jede Gemeindewanderung muss mit dem GPS dokumentiert sein.
  • Grenzwanderwege gelten nicht: Denn dann wandert Stefan ja auf den Gemeindegrenzen, nicht in der Gemeinde

Ausnahmen gibt es keine. Ist der Weg langweilig, asphaltiert, stark befahren, führt durch die öde Agglo – gilt nicht. Stefan gönnt sich da keine Ausnahme. Nur wenn die Gemeinden besucht und zehn Kilometer absolviert sind, gibt es Varianten. „Ja, dann darf ich abkürzen. Oder kurzfristig aufs Postauto umsteigen, einmal hab ich dies getan, weil ich in ein Gewitter geraten bin.“ Doch eigentlich ist er konsequent bis zum Ende einer Wanderung: „Einmal wollte mich ein Auto mitnehmen, als ich im grössten Regen auf einer Landstrasse gewandert bin. Ich hatte noch nicht zehn Kilometer und hab abgelehnt.“

Projekte über Projekte

Stefan musste nicht bei Null anfangen, als er mit dem Projekt 2016 begann und die Zahl von 2287 Gemeinden festlegte (Fusionen nach 2016 zählen der Einfachkeit halber nicht mehr). Zuvor hatte er schon den Röstigraben abgewandert, viele Schweizmobil-Routen, diverse Flüsse und Seen, schliesslich alle Bierwanderungen. So konnte er bereits bei Projektanfang circa 1500 Gemeinden abhaken.

Nicht immer sei Gemeindewandern spannend, gibt Stefan zu. Ich bin mit ihm von St-Maurice bis Monthey gewandert und hab gelernt:

  • es gibt eine Kirche, die wie das Gebäude eines Kraftwerks aussieht
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Die Kirche, gut getarnt in der Felswand oberhalb St-Maurice.

  • Fussballplätze können in der Schweiz explizit für Angehörige der Armee gesperrt werden
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Arme Soldaten! Das wird nichts mit Sport.

  • Gemeindegrenzen sind auch als Gemeindewanderer nur schwierig wahrnehmbar
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Uups, die Gemeindegrenuze ist schon lange vorbei. Zurückkehren oder achselzuckend weiterwandern?

  • Auch Kieswerke können als Umgebung für eine Wanderung bereichernd sein
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Ein Bagger belädt einen Lastwagen – der Wanderer ist hautnah dabei.

  • Nicht immer ist klar, wann das Begehen eines Wanderwegs erlaubt ist und wann nicht
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Wo darf ich jetzt durch, wo nicht?

  • Nicht immer ist klar, was der Unterschied zwischen einem öffentlichen Weg und einem Wanderweg ist
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Wenn der rechte ein öffentlicher Weg ist, was ist dann der Wanderweg?

  • Der Weg zwischen Vieux Manoir und Monthey ist wohl jener mit den meisten Verboten in der Schweiz

 

 

  • es gibt in Monthey noch einen Supermarkt mit Fliesen aus meiner Kinderzeit
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Wow, auf diesem Boden haben wir früher eingekauft!

Auch Stefans Fazit über unsere Wanderung fiel am Bahnhof von Monthey ausgewogen, um nicht zu sagen zwiespältig aus: „Es gab sehr schöne Abschnitte, aber auch sehr langweilige.“ Er sagte es in seiner typischen ruhigen Art. Und schliesst mit den Worten: „Es gibt aber fast immer Überraschungen. Das ist so.“

www.projektgemeindewandernschweiz.blogspot.ch