Vom Sägen oberhalb der Waldgrenze

Je-des-mal im Schlafsaal das gleiche Drama: Du kuschelst dich gemütlich unter die Decken in deinen Seidenschlafsack, arbeitest zwei Ohrpropfen in die Lauscherchen, lässt dich von der wohligen Schwere eines erfüllten Wandertags übermannen und schlummerst so richtig schön weg… KCHCHCHCH – KCHCHCHCH – KCHCHCHCH!!!! Aus allen Richtungen wirst du beschallt von Schnarchlern sämtlicher Variationen, und das in einer Lautstärke von bis zu 90 Dezibel, also vergleichbar mit dem Lärm einer stark befahrenen Autobahn. Sie zersägen dir rücksichtslos deine Nerven und schlafen dabei selber seligst, ja schon fast komatös. Vorne rechts am Fenster liegt der rumpelnde Rachenflatterer, schräg vis-à-vis von ihm der sanfte Säusler. Über dir machst du den explosiven Fiepser aus und hinter der Holzwand im benachbarten Zimmer den schnappenden Apnoiker. Dazwischen vernimmst du noch den Gurgler, den Keucher und den Flüsterer. Links und rechts dieser Krachmacher gibt’s freilich nur ignorante und äusserst tolerante Mitschläfer oder Leute mit fehlender Zivilcourage. Wie sonst lässt es sich erklären, dass niemand diesem Wahnsinn wenigstens temporär ein Ende bereitet?!

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So sähen meine idealen Mitschläfer aus

Hesch gwüsst: rund 60% der Männer und 40% der Frauen sind Rhonchopathen. Statistisch betrachtet ist es deshalb in der Berghütte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen, kein knatterndes Geräusch aus den oberen Atemwegen eines schlafenden Menschen zu empfangen. Hesch gwüsst zum zweiten: Der wahre Grund, weshalb die Bergschuhe im Eingangsbereich der Hütte zu deponieren sind, ist nicht etwa der Dreck, welcher an ihnen haftet und die Unterkunft zu verschmutzen droht. Nein, es ist eine reine Vorsichtsmassnahme, damit das Schuhwerk von Wutbürgern wie mir nicht zweckentfremdet und als Tatwaffe in Form eines Wurfgeschosses zielgerichtet zur Selbstverteidigung eingesetzt wird. Ich könnte aus der Haut fahren, wenn man mir mit Schnarchen den Schlaf raubt!

Okey, man muss ja nicht gleich mit so drastischen Massnahmen für Ruhe sorgen. Als hilfreich haben sich unter anderem diese Aktionen erwiesen:

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Das wichtigste Utensil für jede Mehrtagestour

  1. Schubs den Schnarchler so lange, bis er sich auf die Seite dreht und Ruhe gibt oder wenigstens dem andern Nachbarn ins Ohr posaunt
  2. Vor allen andern einschlafen und auf einen «tüüfa, gsunda Schlaf» vertrauen
  3. Mit Kissen und Decke in den Aufenthaltsraum flüchten. Ist ja nur für eine (kurze) Nacht
  4. Alle Schnarchler in Isolationshaft ins Kellergeschoss verbannen – gleich und gleich gesellt sich gern (kein Witz: in der Buffalorahütte gibt’s einen separaten Schnarchlerraum)

Was mich hingegen überhaupt nicht stört, sind die gestaffelt sehr früh aufstehenden Hochtourengänger, selbst wenn sie dann mit ihren Stirnlampen eifrig in der Gegend rumzünden, geräuschvoll in Plastiksäcken wühlen und beim Verlassen des Schlafsaals trotz grösster Vorsicht über einen unmotiviert liegengelassenen Hüttenfinken stolpern oder in der Rucksackschlaufe hängen bleiben. Da packt mich vielmehr der Neid, nicht auch mit ihnen losziehen zu dürfen.

Aber irgendwie gehören die Schnarchler halt eben doch in jede Hütte. Wie die juckenden Wolldecken. Oder die verschwitzten Synthetikkarohemden. Und die obligaten Zahnpastaschlieren im Waschtrog. Aber das ist eine andere Geschichte.

Was nebst Ohrstöpseln sonst noch in jeden Mehrtagesrucksack muss

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