Ein Knie macht mich fast fertig

Wir gehen ein paar Tage wandern in Flumserberg SG. Ich arbeite lange und kurze, anstrengende und einfache Wanderungen aus, damit ich für alle Wetter- und Kinderlaunen gerüstet bin. Nur das linke Knie der Zauberfee habe ich zu wenig in Rechnung – ein fataler Fehler.

Es war nur ein kleines Missgeschick, drei Wochen vor unseren Wanderferien: Meine Tochter geht in einer Gruppe neben einem Lausbuben und strauchelt. Wer oder was der tatsächliche Auslöser war, da unterscheiden sich die Meinungen meiner Tochter und des potenziellen Verursachers. Spielt auch keine Rolle, geschehen ist geschehen, und das Knie schmerzt.

Wir salben. Lagern das Bein hoch. Salben nochmals. Die Wandermama als Physiotherapeutin stellt fest, dass die Aussenbänder etwas überdehnt worden sind. Also salben wir weiter. Das Ganze zieht sich in die Länge, aber ich bleibe optimistisch. Schliesslich sind alle müde. Mit den Ferien wird die Energie schon wieder da sein und dann werden meine Wanderungen die etwaig noch vorhandenen Schmerzen verfliegen lassen.

 Rutschiger Zwischenstopp

Dann geht es auf nach Flumserberg, die Kinder und ich fahren alleine. Unterwegs wandern wir noch aufs Rosinli ZH, den Ausflugsberg mit der bekannten langen Rutschbahn. Wir rutschen und rutschen und haben Spass. Dann geht es los Richtung Kemptnertobel. Die Zauberfee hat zwar immer noch Schmerzen, mit Mamas Nordic Walking-Stöcken meistert sie den Weg aber problemlos.

Auch der Abstieg ins Kemptnertobel läuft gut, die Kinder streiten sich um Güetzi, die Zauberfee ist abgelenkt. Und schon haben wir den steilen Abschnitt hinter uns, nun gehts fast nur noch geradeaus durch ein wunderschön grünes Tälchen, begleitet vom Chämtner Aabach. Kurz: Das Knie spielt an diesem Tag keine Rolle.

Sie will es wagen

In Flumserberg macht uns dann das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Die Zauberfee spürt das Knie etwas, ist aber motiviert, es zu wagen, schliesslich ist auch ihre Grossmutter extra angereist. Wir wollen den Sagenerlebnisweg machen. Fahren rauf mit der Seilbahn, durch Regen und dichte Wolken. Ab und zu machen uns ein paar Sonnenstrahlen etwas Mut. Wer nichts wagt, gewinnt nicht, meinen wir – und hoffen, dass sich das Sprichwort bewahrheitet.

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Die Posten des Themenwegs lenken vom Knie ab, auch wenn es unmöglich ist, die Berge am Horizont mit den richtigen Namen zu versehen oder sich auch nur ansatzweise vorzustellen, wie die Sichelchammfalte vor etwa 30 Millionen Jahren entstanden ist. Zahlreiche Wolken verdecken die Sicht.

Das ist uns egal, wollen wir doch dem alten Manndli helfen, das vor geraumer Zeit ganz viele Dummheiten angestellt hat und deshalb in die Sagenwelt verbannt worden ist. Wir wollen dem Manndli den Weg in unsere Welt zurück ebnen, Knieschmerzen hin oder her. Vielleicht kennt es ja eine Wundersalbe, die es uns als Dank mitgibt und womit meine weiteren Wanderpläne gerettet würden?

Für die sieht es nämlich nicht gut aus. Die Tochter wandert mit leidender Miene, die Stöcke haben ihre Magie verloren. Schliesslich trage ich sie im Huckepack, ihre Stöcke baumeln mir um Ohren und Nase. Ab und zu lenkt ein Posten des Sagenwegs etwas ab. Manchmal fast zu fest, denn als wir auf der Prodalp ankommen, ist es zehn nach fünf und die Mitarbeiter der Bahn versorgen gerade die Gondeln. Doch sie haben Erbarmen und nehmen uns mit der allerletzten Gondel runter ins Tal. Ich bin erleichtert, bleibt uns eine Talwanderung erspart.

Ein Kranz für die Zauberfee

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Gegen Ende der Wanderung schmerzt das Knie immer mehr. Oje.

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Lustig. Er klopft leise am einen Ende des Trämmels, sie hört es auf der anderen Seite.

Ich bin hart gelandet mit meinen Plänen, auch die Kinder sind enttäuscht. Die mit Freude erwartete Bergwanderung auf den Grossen Güslen sage ich ab, auch wenn wir auf dem Flumserberg schliesslich doch noch einen Hammer-Sonnentag erleben. Schade.

Doch wenn ich diese Zeilen schreibe, stelle ich fest, dass es so schlimm doch gar nicht ist. Wir waren draussen in den Bergen, haben zusammen eine gute Zeit erlebt – trotz Problemknie. Und ich winde meiner Zauberfee einen grossen Kranz für ihren Optimismus. Der Grosse Güslen kann warten.

 Mehr zum Sagenerlebnisweg auch auf dem Blog der Kinderregion.