Ist vegane Küche auf 3000 Metern vertretbar?

«Wie wäre es, der Käse-, Brot- und Wurst-Wanderverpflegung endlich mal ein wenig das Fell zu striegeln!»

Das hat uns neulich ein Leser unseres Magazins WANDERN.CH geschrieben. Vor meinem geistigen Auge haben sich prompt allergattig fantasievolle Bilder aufgetan, wenngleich ich es immer noch nicht plastisch sehe, wie ich einer in Schweinedarm gehüllten Brätmasse das Fell striegeln soll… Jänu. Wenigstens gab es mir Anlass dazu, ein paar Gedanken zur Verpflegung in Hütten zu machen.

Ich bin jedes Mal dankbar, während einer Mehrtagestour auf der Hütte ein nahrhaftes, warmes Abendessen serviert zu erhalten. Wenn es sogar noch frischen Salat und ein Dessert dabei hat, hüpft mein Herz vor Glück. Bis auf eine Ausnahme wurden meine Erwartungen immer erfüllt und allermeist sogar übertroffen, übrigens auch was das Frühstück angeht.

Vegan auf 3000 Metern: schwierig

Stein des Anstosses: Schweins- und Extrawürste

Seit einigen Jahren lässt sich beobachten, dass auch auf 3000 Metern der Kunde König sein will. Mit unkomplizierten Menus sind längst nicht mehr alle Gäste zufrieden; für viele ist es selbstverständlich, dass sie sogar im Hochgebirge das bekommen, was sie wollen. Zudem stellen Veganer und Alpinisten mit Lebensmittelunverträglichkeiten die Hüttenteams vor neue Herausforderungen. Die steigende Nachfrage nach gesundheits-, umwelt- und moralverträglicher Kost verursacht ihnen einen grossen Mehraufwand.

Die Hüttenteams gehen damit unterschiedlich um. Ein vegetarisches Menu, das seinen Namen verdient, steht mittlerweile standardmässig im Angebot. Viele Hütten bieten auf Voranmeldung auch gluten- und laktosefreie Mahlzeiten an, einzelne verlangen dafür aber einen kleinen Aufpreis. Mancherorts können Veganer ihr selbstmitgebrachtes Essen kostenlos aufwärmen lassen.

Vegane Mahlzeiten mit den Produkten und Vorräten aus dem Hüttenkeller zu kochen, ist hingegen sehr anspruchsvoll und im turbulenten Hüttenalltag kaum zu integrieren. Auch gilt es zu bedenken, dass Milch, Käse, Honig und Eier grundlegende Elemente der Alpenküche sind und zum kulinarischen Erbe der Bergregionen gehören. Und regional soll das Essen schliesslich auch in den Bergen sein.

Vegetarisch für alle: gewöhnungsbedürftig

Persönlich habe ich grosse Mühe damit, mit welchen pflanzenbasierten Extrawürsten einzelne Hüttengäste aufkreuzen. Das finde ich den Hüttenteams gegenüber nicht fair. Fast beleidigend empfand ich damals auch die Bemerkung einer Wanderin, die mir gesagt hat, sie esse in Hütten aus Prinzip kein Fleisch, weil das ja gar nicht richtig gelagert werden könne. Ich habe mir jedenfalls noch nie den Magen verdorben.

Neuerdings setzen einzelne Hütten aus Umweltschutzgründen tageweise auf ein rein vegetarisches Abendmenu für alle Gäste, so zum Beispiel die Medelserhütte. Nach Auskunft des Hüttenwartpaars seien damit alle zufrieden. Zugegeben: Das ist für mich ein gewöhnungsbedürftiger Gedanke. Ich finde es ehrlicher, wenn jede/r für sich entscheiden darf, ob, wann und wo er/sie Fleisch oder überhaupt tierische Produkte konsumieren will. Aber wenn schon vegetarisch, dann bitte Gerichte, die per se ohne Fleisch auskommen. Auf Fleischersatzprodukte, möglichst noch in Fleischform präsentiert, kann ich als Karnivor nämlich getrost verzichten. Beispiele: sehr gerne Spaghetti Napoli, Pizzoccheri, Risotto, aber bitte niemals ein Planted-Chicken-Curry-Geschnetzeltes!

Also. Besinnen wir uns doch wieder aufs Ursprüngliche. Seien wir einfach dankbar, dass sich die Hüttenteams so viel Mühe machen und uns eine warme Mahlzeit offerieren, die wir nicht einmal selbst hochschleppen mussten. Oder wie in der Kindheit: essen, was auf den Tisch kommt.